[Wildcampen]Oh du schöne Heimat, oder deutsche Rechtsvedrehung

Das Thema Wildcampen ist mir gerade mal wieder eingefallen und einfach einen Beitrag wert.

Folgendes habe ich mal im Outdoorseiten Forum gefunden. Die Antwort des Forstamts Bonn auf die Anfrage von jemandem bezüglich Wildcampen:

Sie fragen an, ob das Übernachten im Wald oder in der freien Landschaft (ohne Zelt) forstrechtlich zulässig ist.

Gem. § 2 Abs. 1 Landesforstgesetz (LFoG) ist das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung gestattet. Diese Befugnis wird begrenzt durch den Grundsatz der Gemeinverträglichkeit, denn gem. § 2 Abs. 3 LFoG hat sich jeder, der den Wald betritt, so zu verhalten, dass die Lebensgemeinschaft Wald und …. nicht gestört wird.

Hinsichtlich des Betretungsrechts folgt daraus, dass Sie zum Zwecke der Erholung den Wald betreten dürfen und auch in einem gewissen Rahmen Rasten dürfen, nicht aber dauerhaft z.B. durch eine Übernachtung im Wald dort verweilen dürfen. Denn durch Ihre Anwesenheit in der Nacht würde die Wildtiere des Waldes stark beunruhigt und damit die Lebensgemeinschaft Wald
empfindlich gestört.

Außerdem ergibt sich aus der Formulierung den § 2 Abs. 1 “zum Zwecke der Erholung” eindeutig, dass das freie Betreten des Waldes ausschließlich dem Zwecke der Erholung und des Naturgenusses erlaubt ist. Da man während dess Schlafens aber die Natur nicht akiv genießen und sich damit bewusst Erholen kann, fällt das Übernachten im Wald nicht unter das freie Betretungsrecht und ist daher verboten.

Bezüglich Ihrer Frage des Übernachtens in der freien Landschaft möchte ich auf § 49 des Landschaftsgesetzes NRW verweisen. Dort ist in Abs 1
formuliert:

§ 49
Betretungsbefugnis

(1) In der freien Landschaft ist das Betreten der privaten Wege und Pfade, der Wirtschaftswege sowie der Feldraine, Böschungen, Öd- und Brachflächen und anderer landwirtschaftlich nicht genutzter Flächen zum Zwecke der Erholung auf eigene Gefahr gestattet, soweit sich nicht aus den Bestimmungen dieses Abschnitts oder aus anderen Rechtsvorschriften Abweichungen ergeben. Für das Betreten des Waldes gelten die Bestimmungen des Landesforstgesetzes.

Die Betretungsbefugnis bezieht sich hier ebenfalls auf den Erholungszweck und ist m.E. analog zu der Regelung im Wald auszulegen. Da für die rechtlichen Regelungen in der freien Landschaft aber die Untere Landschaftsbehörde des jeweiligen Kreises bzw. der kreisfreien Stadt zuständig ist, möchte ich Sie bitten, sich zur abschließenden Klärung dieser Frage an Ihre Kreisverwaltung zu wenden.

Ahhhhh da kann man sich doch nur an den Kopf packen.

Ich darf am Tag locker fröhlich durch den Wald spazieren, die Karnickel beim Poppen stören und fröhlich Rehe und Schwarzkittel aufschrecken. Aber wehe wenn ich nachts zu laut schnarche, oder mein Zelt gar mitten auf einem Wildwechsel aufschlage. Vielleicht habe ich ja aber doch Augen im Kopf und achte auf die Natur und richtige weniger Schaden an als beispielsweise die ganzen Horden die sonst so über den Rothaarsteig und ähnlich ausgebaute Gebiete latschen?

Natürlich gibt es leider viele Leute die sich in Wald und Wiese leider nicht korrekt verhalten und selbstverständlich sollte man die Tiere möglichst wenig stören. Aber die Realität zeigt doch eher dass wenn dann die Leute ein Problem sind die nur mal kurze Tagestouren unternehmen und nicht die Leute die friedlich, aber leider mehr oder minder illegal, im Wald nächtigen. Wobei es da natürlich auch solche und solche gibt…leider…wie überall.

Auch der Hinweis das man die Natur nur bewusst, also aktiv, genießen darf um sich zu erholen ist klasse. Was wenn ich besser unter freiem Himmel oder halt im Wald schlafen kann als in der muffigen Bude und ich mich dabei auch “aktiv” besser erhole? Ja ich weiß, man kann auch einfach mal das Schlafzimmer Fenster auf machen. Aber warum muss aktive Erholung explizit etwas damit zu tun haben das man auch wirklich wach ist? Weil man dann auch etwas sieht und nicht nur unterbewusst etwas wahrnimmt und einfach mal fröhlich bei guter Luft schlummert?

Es ist ja durchaus verständlich dass man den Wald und die Tierchen schützen will und das auch nicht jeder Idiot da nachts ein riesen Lager aufschlägt und seinen ganzen Unrat liegen lässt. Und ja ich bin nur auch dessen bewusst dass viele Tiere nachtaktiv sind und womöglich auch schon durch den menschlichen Geruch gestört fühlen. Doch auch da wage ich mal zu bezweifeln dass der Effekt größer ist wenn man im Zelt schlummert im Vergleich dazu mit ganzen Wanderhorden über Waldautobahnen zu latschen.

So kommt die grundlegende Begründung warum Wildcampen verboten ist dann doch etwas arg lächerlich daher. Aktiv genießen ja, passiv nein. Darf ich mich also nachts im Stuhl in den Wald setzen und dem Wind in den Zweigen lauschen, nur ja nicht dabei einschlafen?

So was gibt es wohl nur in Deutschland. Also zumindest eine solche Begründung. Oh du schöne Heimat, oh du schöne Bürokratie. Zum Glück sind die Förster da aber wohl einsichtig und es gibt wenig bis gar keinen Stress wenn man doch einfach mal sein Nachtlager aufschlägt und sich dabei einfach vernünftig verhält. Sprich kein Feuer macht, keinen Müll verstreut etc. Die grundlegende Intention hinter der Paragraphenreiterei ist also durchaus lobenswert nur leider schießt man auch hier wieder, wie so oft, über das Ziel hinaus und argumentiert sogar, zumindest in meinen Augen, teils arg unsinnig.

Wäre es doch schön wenn wir auch das skandinavische Jedermannsrecht hätten. Denn das funktioniert ja auch recht gut. Flora und Fauna unserer nördlichen Nachbarn geht es ja auch recht passabel, ja womöglich sogar besser als der unsrigen. Womöglich auch weil man sie sich etwas mehr sich selbst überlässt und es der Bevölkerung zutraut des Denkens durchaus mächtig zu sein. Dass nicht jeder dazu in der Lage ist verhindern halt auch diverse Regularien nicht. Wo der gesunde Menschenverstand fehlt hilft auch das schönste Juristendeutsch im Forstgesetz nichts.

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Categories: Outdoor and Trekking

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