Westen…die sind doch sinnlos!?

Ja Westen sind so nix Halbes und nix Ganzes, so dachte ich auch eine lange Zeit. Irgendwie wollte es mir nicht in den Kopf warum man sich etwas kaufen sollte was wärmen soll, dabei aber die Arme frei lässt. Doch im Zuge der Abspeckung meiner Ausrüstung für die Fagaras Tour und der ersten Testwanderung kam es Volker und mir dann in den Sinn das eine Weste vielleicht doch nicht so doof ist.

Denn letztendlich erfüllt sie meines Erachtens wichtige Kriterien:

  1. geringeres Gewicht als eine gleichdicke Fleece-Jacke
  2. geringeres Packmaß als ein gleichdicke Fleece-Jacke
  3. gute Isolationseigenschaften an den wichtigen Stellen
  4. Wind- und wasserabweisendes, dabei aber auch strapazierfähiges Material

Gut zugegeben, es gibt auch diverse Fleece- oder Softshell Jacken die ähnliches zu bieten haben und nicht jede Weste bietet auch all das was ich hier gesucht habe. Aber der Gedanke eine Weste einzupacken anstatt mit dicken und einem dünnen Fleece im Rucksack loszuziehen gefällt mir einfach gut.

Somit fanden sich mal wieder diverse Testkandidaten bei mir ein:

Zunächst trafen die beiden TNF Westen ein. Die Windwall schied hier gleich aus, was ich mir aber eh schon gedacdt hatte. Denn ich habe schon einen schönen Windwall Fleece, der an sich zwar gut ist aber weder eine wirkliche Windwall ist, noch sonderlich leicht und auch mit Nässe und schweren Rucksäcken nicht wirklich gut klar kommt. Die Elixir kam meinen Vorstellungen da schon eher nahe und war lange Favorit. Schön dünn und somit sehr geringes Packmaß, recht leicht und angenehm zu tragen, ziemlich dicht und wasserabweisend.

Doch ein Anruf von Volker der bei seiner Westensuche mal diverse Kandidaten im Globi durchgetestet hat ließ mich weitersuchen. Denn auch die Elixir dürfte bei schweren Rucksäcken kaum noch eine gute Figur machen. Auch die Arc’Teryx Atom LT mit ihren gerade mal 220g stand noch bei mir auf der Liste, wurde aber ebenfalls als “nicht rucksacktauglich” erwähnt. Seine Empfehlung und auch letztendlicher Kauf, die Kaikkialla Illpo wollte ich mir an sich auch mal anschauen, aber bei dem Gewicht von 400g war es mir dann doch etwas zu viel des Guten. Also weiter suchen.

Wenn man so nix direkt findet, fragt man doch am besten mal die Experten dachte ich mir. Also rein ins Outdoorforum und mal gucken was die so zu bieten haben. Dort stieß ich dann auch schnell auf den Test der Ortovox Andermatt, die schlichtweg genau das zu seien schien was ich haben wollte. Nur der Preis war mir hier ein Dorn im Auge, denn so viel wollte ich dann doch nicht ausgeben. Aber ich wollte trotzdem mal gucken, denn der Test war ja schon etwas älter. Und siehe da, die Weste gabs auch billiger. Bei Bergzeit.de wurde ich fündig und es kamen auch noch die Alias Winter von Montura, so wie die Marmot Leadville als Testkandidaten dazu. Besonders gespannt war ich, neben der Ortovox, hier noch auf die Montura, denn kann etwas schlecht sein was von Heinz Kammerlander empfohlen wird ;)?

Das mit Spannung erwartete Päckchen traf alsbald ein und zunächst ging es an die Montura. Die musste ich nur anfassen und hatte mich quasi schon verliebt. Dummerweise war sie mir in S dann doch zu eng, aber leider war sie auch nirgends mehr zu kriegen. Das Männdermodel schien wie vom Erdboden verschluckt oder nur noch in S verfügbar zu sein. Wirklich ärgerlich. Zwar ist die Weste mit 340g auch kein Fliegengewicht, aber das Material und die Verarbeitung sagten einfach “nimm mich”. Doch da war einfach nichts zu machen, meinen spontanen Kandidaten für Platz 1 auf dem Treppchen sollte es für mich nicht mehr geben.

Also mal ran an die Ortovox. Das Material erinnerte mich hier an meine Mammut Castor, was ja auch nicht weiter verwunderlich ist, da beide aus mit einer Oberfläche aus Schoeller daherkommen. Innen hat die Weste dann Merino zu bieten, was für gute Isolationseigenschaften sorgen soll. Zwar ist die Weste auch recht körperbetont geschnitten, aber in das M Model passe ich dennoch rein. Sie musste sich jetzt nur noch gegen die Marmot Leadville durchsetzen, denn so kam die Ortovox der idealen Weste auch recht nahe. Robustes Material und dazu mit 280g noch schön leicht. Da hatte die Marmot mit ihren 354g schon einen schweren Stand. Letztendlich macht sie auch absolut keinen schlechten Eindruck, ist angenehm zum tragen und deutlich weiter geschnitten als die anderen Kandidaten. Nur im direkten Vergleich mit der Ortovox und auch der Montura kann sie nur Platz 3 belegen.

Da nun die Montura nict zu kriegen ist, habe ich mich letztendlich für die Ortovox Andermatt Vest entschieden. Und es ging damit heute auch direkt mal auf Tour. Zwar boten die hochsommerlichen Temperaturen nicht die idealen Testbedingungen für das Isolationsverhalten, aber immerhin konnte ich schon mal gucken wie gut es sich unter der Weste schwitzen lässt. Und hier kann ich schon mal ein sehr positives Fazit geben. Zwar habe ich am Rücken ordentlich geschwitzt, aber die Kombination aus Arc’Teryx Ether Comp und eben dieser Weste war nahezu perfekt. Das Shirt war durchgeschwitzt, mein Rücken dennoch nahezu trocken und der Weste merkte man auch kaum etwas vom Schweiß an. Wenn der Wind mal gut gepfiffen hat, was er leider viel zu selten tat, war es angenehm am Rücken und auch wenn der Rucksack mal abgesetzt wurde, hatte ich nie das Gefühl jetzt dringend mal das Shirt wechseln zu müssen.

Ich bin also rundum zufrieden. Und allen Leuten, sowohl Arbeitskollegen als auch Freunden, die mich mit einem “Westen…die sind doch sinnlos” eher verständnislos angeguckt haben kann ich nur sagen: “ich will euch dann mal sehen wie ihr mit euren dicken, langämrliegen Klamotten rumlauft, oder euch was wegholt wenn der Wind pfeift und der Rücken durchgeschwitzt ist”.

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