Tag 1: Aufbruch ins Ungewisse

Am Abend des 15.06 trudeln die 3 Wahl-Dortmunder Lukas, Thorsten und Ich mit Sack und Pack bei Volker, dem Exil-Dortmunder, in Köln ein. Letzte Kleinigkeiten werden bei einem Bierchen geklärt und gegen 23 Uhr liegen wir dann, für eine kurze Nacht in Volkers Wohnzimmer.

Um 4 Uhr dann Volkers müder Weckruf, fertig machen zum Aufbruch, denn das Taxi ist für 4:30 Uhr bestellt. Sehr pünktlich steht es dann auch vor der Tür und müde schleppen wir unsere Rucksäcke aus dem Haus. Auf Richtung Flughafen Köln/Bonn.

Am Check-In stellt Thorsten dann plötzlich fest das er seinen Perso zu Hause vergessen hat. Na prima. Da sind wir ja sehr weit gekommen und schon steht die ganze Reise auf der Kippe. Zum Glück ist das Ganze nur ein Schreckmoment und so gesehen ein kleines Ärgernis, denn Thorsten kann in wenigen Minuten bei der Flughafenpolizei einen vorübergehenden Ausweis für die Reise bekommen. So was scheint wohl mal vorzukommen. Erleichterung macht sich breit.

Bei der Durchleuchtung unserer Rucksäcke muss Volker dann noch kurz beweisen das er zwar einen Kocher, aber nein, auch wirklich keine Gaskartuschen eingepackt hat und endlich landen unsere Rucksäcke im Frachtraum des Flugzeugs und wir in den Sitzen. Mit leichter Verspätung von 9min startet die Maschine um 6:39 Uhr, laut Durchsage des Piloten sollen wir aber pünktlich in Bukarest landen, man darf gespannt sein.

Dort angekommen ergeben sich keine Probleme bei der Einreise – insgeheim hofften wir auf etwas Spaß mit Thorstens Ersatzausweis – wir nehmen die Rucksäcke in Empfang und sind mal gespannt darauf ob der für 11 Uhr bestellte Fahrer von Rent-A-Car auch pünktlich ist.

Kaum kommen wir aus der Gepäckhalle – die übrigens, wie auch der ganze Flughafen, für die Landeshauptstadt arg klein und altbacken ausfällt – steht dort auch schon jemand mit einem Namensschild in der Hand und wartete auf uns. Dabei ist es doch gerade mal 10:30 Uhr. Prima, so müssen wir nicht warten.

Pikachu

Nach einem freundlichen „Welcome to Romania“ unseres Fahrers Gicu (wir nennen ihn später “Pikachu”, weil wir uns den Namen nicht so recht merken konnten) sitzen wir dann auch schon im Transporter und los gehts Richtung Metro um Gaskartuschen zu kaufen. Dort gab es dann die erste Ernüchterung. Denn von Gaskartuschen, geschweige denn welche von Campinggaz weit und breit keine Spur und so landen nur Wasserflaschen im Einkaufswagen. Sollten sich uns hier ein erstes großes Hindernis in den Weg stellen? Wir hatten uns doch extra gut vorbereitet und in Erfahrung gebracht, dass es in Rumänien nur Campinggaz Kartuschen geben soll, diese dann aber auf jeden Fall in der Metro.

Doch das vermeintliche Hinderniss wird schnell beseitigt. Denn wirklich unermüdlich versucht der gute Gicu uns zu helfen. Er ruft kurzerhand befreundete LKW Fahrer an um zu fragen wo sie ihre Kartuschen kaufen und fährt mit uns zum Baumarkt. Dort finden wir dann dummerweise aber nur Stechkartuschen. Deren Adapter hatten wir aus Gewichtsgründen natürlich zu Hause gelassen, denn in Rumänien gibt’s ja nur Campinggaz…so so, tolle Vorabinfos die man so im Netz findet. Wir entscheiden uns auf dem Weg nach Sibiu weiter nach Kartuschen zu gucken. Denn dort müsste es einige Orte geben die Sport-/Wander-/Trekkingläden haben und spätestens in Brasov müsste sich was finden lassen.

Auch auf dem weiteren Weg lässt unser bestens gelaunter Fahrer nichts unversucht und wir sind zu gleichen Maßen begeistert und auch erstaunt wie sehr er sich ins Zeug legt um uns zu helfen. Immer mal wieder wird angehalten und gefragt, aber bis Brasov haben wir leider kein Glück. Immerhin können wir schon mal ein Wenig Land und Leute bestaunen. Auffällig für uns sind hier viele große Werbetafeln und die vielen bekannten Läden. Ikea, Hornbach, Real, Plus (haben wir ja nicht mal mehr) um nur Einige zu nennen, alles vorhanden.

Immerhin erheitert uns Volker mit seinen Klischee-Gedanken „Der fährt gleich bestimmt irgendwo in den Wald wo seine Kumpels mit Knarren auf uns Touristen warten“. Natürlich alles nur zum Spaß aber wir haben gut was zu lachen, indem wir uns allerlei Situationen ausdenken wie man uns wohl im Wald verscharren würde.

In Brasov angekommen fragt unser Gicu dann kurzerhand einen Taxifahrer und spontan fahren wir im Konvoi durch die Stadt, um nach nicht mal 5min vor Decathlon zu stehen! Na das scheint doch perfekt zu sein und wieder ein altbekannter Laden im ach so fremden Land. Zwar sind die Gaskartuschen nahezu ausverkauft, aber können noch 4 kleine Primus Schraubkartuschen(!) und eine große Campinggazkartusche (es gibt sie also wirklich) ergattern. Unser Fahrer lässt daraufhin gleich verlauten, dass er mit den nächsten Trekkingtouristen gleich zu Decathlon in Bukarest fährt. Er wusste halt nur nicht, dass es unsere Kartuschen dort gibt.

Von daher hier unser klarer Tipp für Trekking-Touren in Rumänien:
Wer dabei in Bukarest oder Brasov unterwegs ist, braucht sich keine Sorgen um Kartuschen zu machen. Neben Decathlon gibt es gerade in Brasov noch weitere Trekkingläden und das es nur Campinggaz Kartuschen gibt ist eher ein Mythos. Stechkartuschen findet man in fast jedem Baumarkt, Schraubkartuschen sind im Prinzip aber auch problemlos zu bekommen.

Doch nun weiter zu unserer Tour. Der frühe Aufbruch, der Flug von etwas über 2 Stunden und zudem unsere kleine Odyssee auf der Suche nach Kartuschen lässt die Mägen grummeln. Und so geht es noch mal arg in Richtung Zivilisation. Um genau zu sein landen wir bei Mc Donalds und spendieren Gicu gleich mal das Essen.

Von Brasov aus geht es endlich Richtung Ausgangspunkt, vorbei an den Bergen die für die kommenden Tage unsere Heimat sein sollen. Auf dem Weg entscheiden wir uns dafür, die Tour in Turnu Rosu und somit möglichst nah am Fagars zu beginnen. Von Sibiu aus hätten wir noch einige Kilometer und womöglich gut 1 ½ Tagesmärsche laufen müssen und auch von Sebesu de Sus, einem weiteren Einstiegspunkt, wäre es erst mal platt durch Lands gegangen. So geht es mit dem Transporter bis zu einem kleinen Kloster nahe Turnu Rosu (auf ca. 600-700m). Wir bezahlen den Fahrer – natürlich mit einem kleinen Obolus für seine Dienste – und dann stehen wir endlich alleine da.

Alleine in der Wildnis

Aufbruchstimmung

Ein letztes mal die Schnürsenkel stramm gezogen und dann geht es auch gleich ordentlich los mit einem überraschend steilen Anstieg hinein in den Wald. Wo man in Österreich Serpentinen findet um nicht ganz so steil bergan gehen zu müssen, scheint man in Rumänien anders zu denken. Der Bergfreund will schnell auf eine gewisse Höhe kommen, also geht es wann immer möglich schön grade rauf.

Der Tag ist schon recht weit fortgeschritten, wir wissen nicht so recht was uns noch alles so erwartet und so entschieden wir uns an einem netten Platz im Wald unser Lager aufzuschlagen. Ein Bach ist in der Nähe und somit auch Frischwasser vorhanden und an sich ist der Lagerplatz ganz idyllisch. Wenn da nur nicht die ganzen Fliegen wären…
Kaum dass man sich mal still auf den Boden setzt, schwirren einem die Viecher um den Kopf rum und das nicht zu knapp. Es ist doch schon recht fies, muss man sagen. Insbesondere mein Zelt scheint dabei die schwarzen Quälgeister magisch anzuziehen und so ist die Decke des Außenzeltes schnell ordentlich schwarz, vorm nervigen Dauerbrummen ganz zu schweigen.

Rob Halford

Nachtlager

Dennoch futtern wir unsere ersten Trekking-Mahlzeiten, kochen uns noch einen Tee, lüften noch mal so gut es geht mein Zelt und kriechen in unsere Schlafsäcke.

Wir sind zwar etwas geschafft von der Anreise, aber so ganz lässt sich „der Kopf des Stadtmenschen“ noch nicht beruhigen. Ist ja doch schon etwas ungewohnt so im Wald zu pennen. Noch dazu wo es hier Bären und anderes Getier geben soll. Wir lauschen also alle noch einige Zeit in den Wald und die aufkommende Dunkelheit hinein, schlafen dann jedoch irgendwann endlich ein. In Thorstens, Volkers und meinem Fall unterstützt von Hörspielen auf unseren MP3-Playern (ja ja, diesen Technik-Luxus haben wir uns einfach mal gegönnt) in Lukas Fall nur mit Ohrstöpseln.

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Categories: Rumänien 2011

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