Tag 11: Brasov, Gina und Gott

Wir haben genug von Bran und wollen nach Brasov. Da ist es hoffentlich etwas schöner. Also rein ins Taxi und zurück nach Zarnesti zum Bahnhof. Noch auf dem Weg entscheiden wir uns spontan um und lassen uns direkt nach Brasov kutschieren. Jetzt noch lange auf den Zug warten muss auch nicht mehr sein und so teuer ist eine Taxifahrt hier auch nicht. Sie kostet uns letztendlich gute 10€ für grob 40km und wir sind mitten im Zentrum. Wer weiß schon wo der Bahnhof in Brasov ist? Im Zentrum sicher nicht, nicht hier in Rumänien.

So stehen wir nun mal wieder etwas ratlos herum und grübeln über den weiteren Weg. Ein Bisschen wie in den Bergen. Aber immerhin befinden wir uns direkt am “Tourist Information” Büro, mit einer Karte und es ist sogar ein Info-Terminal aufgebaut über das man sich passende Pensionen oder Hotels suchen kann. Ein Fortschritt den man selbst in vielen Deutschen Großstädten vergeblich suchen wird. Und schon werden wir mal wieder angesprochen. Diesmal jedoch von einem Mann der zumindest eine Art Uniform trägt wo etwas mit Tourist Info draufsteht. Bei genauerem Hinsehen entpuppt er sich gar als “Tourist-Informator”, na wenn das mal nichts ist. Schon etwas vertrauenerweckender im Vergleich zu dem Typen in Bran. Zwar kann er kaum Englisch, aber er hat einen guten Tipp in Sachen Schlafplatz für uns. Er will eine gewisse Gina anrufen und die wird uns abholen. Lassen wir uns mal drauf ein, nein sagen können wir ja immer noch und diese Gina wollen wir ja zumindest mal sehen. Und einem Informator kann man doch trauen oder?

Während wir also auf Gina warten und uns versuchen auf der Karte zu orientieren, um auch schon mal den Bahnhof auszukundschaften schleicht sich ein etwas schmierig aussehender älterer Herr an uns ran. „Entschuldigen Sie, suchen sie etwas…Spezielles?“ fragt er uns. Er trägt ein rötliches Jackett und um die Knöpfe seines weißen Hemdes hat er gelbe Flecken. Sehr sympathisch. Etwas perplex sagen wir „Den Bahnhof suchen wir“ und er bittet uns daraufhin doch Englisch zu sprechen, das könne er besser. Auf der Karte zeigt er uns dann grob den Bahnhof und erzählt uns nachher er habe 2 Töchter die in Deutschland studieren. Irgendwo zwischen Düsseldorf und Dortmund, so 100km von Düsseldorf entfernt. Ah ja… Na vielleicht wollte er wirklich nur nett sein und sich unterhalten, die Art und Weise wie er „Spezielles“ gesagt hat klang aber er nach „sucht ihr ein Massagestudio mit Happy End?“.

So sind wir dann an sich ganz froh als sich eine Frau Ende 40 mit roten Haaren und billigen Lederklamotten zu uns gesellt. „Hi i’m Gina you need rooms for tonight? Follow me it’s only 3min from here“. Ok auch der erste Eindruck von Gina ist etwas seltsam, aber sie scheint ganz nett zu zu sein und wir verabschieden uns von dem etwas zwielichtigen Herren.
Durch ein paar Straßen von Brasov geht es dann zur Pension Gina, einer kleinen Ferienwohnung in einem Hinterhof. Und wo der Hof noch etwas runtergekommen aussieht, macht die kleine Bude einen wirklich netten Eindruck. Wir sind mitten in Brasov, es ist recht günstig und man hat alles was man braucht. Sogar Herd und Kühlschrank sind vorhanden.

Lukas und ich schlafen dann zwar quasi in der Küche, Volker und Thorsten im Flur, aber es passt und ist recht gemütlich. Und wir können jetzt ein wenig Brasov unsicher machen. Erneut sind wir erstaunt wie einfach mal wieder alles geklappt hat und wie schnell man hier Hilfe bekommt. Auch wenn es für einen Deutschen immer mal etwas befremdlich wirkt, die Menschen waren bisher alle sehr freundlich und hilfsbereit und wir hatten nie wirkliche Schwierigkeiten etwas zu finden.

Nun aber auf zur Stadtbesichtigung. Schon auf der Fahrt mit dem Taxi durch Brasov hat die Stadt einen ganz netten Eindruck auf uns gemacht. Sicher ist alles etwas ärmlicher und teils auch etwas heruntergekommen, aber die alten Gebäude versprühen einen netten Charme und wir fühlen uns wohl. Ja Brasov gefällt uns direkt. Es hat so ein Bisschen was von Italien, ist dann aber auch wieder ganz anders. eben Rumänien. Und Brasov ist auch weit schöner als das Touristennest Bran. Man scheint hier auch sehr von sich überzeugt zu sein, denn auf nahezu jedem Schirm der Straßenkaffees steht „Probably the best City in the World“ – gesponsert von Carlsberg „Probably the best Beer in the World“ – und über der Stadt auf einem Hügel sieht man auch a la Hollywood in großen weißen Buchstaben den Namen der Stadt prangen. Schon etwas amüsant, aber warum auch nicht.

Da wir eh noch unsere Bergschuhe tragen, gehen wir jetzt auch genau da rauf. Einmal vom Hügel aus über die Stadt gucken, hat man zumindest was zu tun und das Wetter ist ja auch ganz schön. Womöglich gibt es ja einen tollen Ausblick. Es fährt zwar auch eine Seilbahn, aber wir können da locker mal eben rauf laufen. Gut der Weg ist eher langweilig, halt eine breite “Waldautobahn” aber so erarbeiten wir uns den Ausblick wenigstens.

Der Ausblick ist dann in der Tat auch gant nett. Nur pfeift der Wind wie sau und es sieht mal wieder nach Regen aus. Nach einer kurzen Foto-Session am Brasov Schriftzug fahren wir dann doch noch mal mit der Gondel runter und setzen unsere Stadttour fort. Wir gucken uns die schwarze Kirche „Biserica Neagra“, die nebenbei gesagt viel mehr nach Transylvanien und Dracula aussieht als Schloss Bran, an und noch einige andere Sachen und landen schließlich bei Gott. Oder besser gesagt im Restaurant des Hotel Gott mit dem Namen Gott Pub.

Dort ordern wir dann erst mal Guinnes und leckeres Essen und lassen es uns gut gehen. Auch das gute alte „Wer bin ich?“ Spiel kommt zu neuen Ehren und wir hocken locker 2 ½ Stunden an unserem Tisch. Bis Volker dann mal schlauerweise einwirft, dass wir evtl. mal aufs Geld achten sollten. Denn so voll sind unsere Portemonnaies auch nicht mehr und so langsam könnte es knapp werden. Recht hat der gute Volker, denn mit unseren 285 Lei können wir gerade noch die Rechnung von 273 Lei bezahlen und noch etwas Trinkgeld geben. Uff Glück gehabt. Aber auch die 273 Lei sind, für das was wir verzehrt haben, echt noch günstig. grob 65€ für 4 Leute mit Essen, teils Nachtisch und gut und gerne 4 Guinnes pro Nase wären in der Heimat sicher teurer gewesen.

Weil es uns so gut gefallen hat, beschließen wir noch am nächsten Morgen „bei Gott“ frühstücken zu gehen bevor wir nach Bukarest fahren. Es ist eh nur 2min von unserer Pension entfernt und somit wunderbar für ein gutes Frühstück geeignet. In unser kleinen Pension genehmigen wir uns dann noch etwas Bear Grylls. Abenteuer Survival läuft aber auch wirklich jeden Tag. Dazu auch wieder ein Bierchen. Man muss ja alle lokalen Köstlichkeiten mal durchtesten wenn man schon nicht mehr in die Berge kann.

Nachts sehe ich in den rumänischen Nachrichten noch etwas über ein Unglück im Fagaras. Wirklich viel verstanden habe ich nicht, aber es scheint durch Unwetter zu Todesfällen gekommen zu sein. Womöglich hatten wir also wirklich Glück damit unsere Tour, anders als geplant, zu Ende geführt zu haben.

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Categories: Rumänien 2011

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