Tag 3: Die ersten Gipfel, herrlich

Gegen 9:30 Uhr machen wir uns nach einem recht gemütlichen Frühstück wieder auf den Weg. Ok, gemütliches Frühstück für 3 von uns, Lukas ließ sich erst durch etwas Überredungskunst dazu bringen wenigstens einen Müsliriegel zu futtern. Der Mann ist uns ein Rätsel. Wo wir nach einer vollen Schale Müsli nach 2-3 Stunden wieder Hunger haben und zu einem Riegel greifen, futtert er so gut wie nix und hat nicht mal abends so wirklich Hunger. Dies sollte auf der weiteren Tour immer mal wieder für Verwunderung sorgen. Die Sachen wieder gepackt und die dicken Treter geschnürt geht es dann also weiter.

Herrliche Landschaft

Und wie sollte es hier auch anders sein, es geht natürlich direkt wieder recht steil bergauf. Vorbei am Moasa geht es über den Saua Suru Sattel auf 2110m. Beim weiteren Aufstieg dann steht plötzlich wiedermal ein Hund vor uns, der uns zunächst entgegenläuft und dann in einem gewissen Abstand stehen bleibt. Wir gehen recht unbekümmert weiter und siehe da, der Hund folgt uns. Kurzerhand geben wir dem putzigen Gesellen etwas von unseren Müsliriegeln, die er auch noch dankbar annimmt. Auf Grund seiner Fellfärbung und weil er einen Schoko-Banane-Riegel genüsslich gefuttert hat, bekommt er von uns auch kurzerhand den Namen Schoko-Banane.

Schoko Banane

Weiter geht’s hinauf zum Vf. Suru (2283m), an unseren Hacken folgt Schocko-Banane über die Hänge . Auf dem Gipfel des Suru gehen wir nicht ganz, denn der Weg führt etwas unterhalb vorbei, Richtung Capul Surului (2274m). Auch dessen Gipfel lassen wir, im wahrsten Sinne des Wortes, links liegen, legen dann aber eine gemütliche Mittagspause auf gut 2260m unterhalb des VF. Budislavu (2371m) ein. Unser Begleiter Schoko-Banane döst dabei neben uns im Gras.

Das nächste Ziel sollte der Lac Avrig sein, an dem wir nur zu gerne gezeltet hätten. Nur passte der See nicht so ganz in unseren Tagesablauf. Denn als Endpunkt war er für die Etappe nicht weit genug entfernt, somit sollte er uns nur als Zwischenstation dienen. So blicken wir also irgendwann von oben herab auf einen recht kleinen See und fragten uns ob das wirklich schon der Avrig seien soll? Dummerweise liegt er auch etwas arg abseits des Weges und wir müssten einige 100m absteigen. Etwas enttäuscht geht es also weiter, nur um dann hinter der nächsten Kuppe doch noch den richten See zu finden. Herrlich eingebettet am Geröllhang des 2247m hohen Vf. Turmul Lacului wollen wir uns eine nette Pause gönnen. Auf dem Weg runter zum See dann unser erster Kontakt zu Menschen hier in den Bergen.

Erster Kontakt

Vom Ufer des Sees steigen uns 6 Rumänen entgegen während wir uns, beim Abstieg, schon auf das kühle Nass freuen und immer schneller bergab marschieren. Die 6 sprechen leider kaum Englisch und so verständigten wir uns mehr mit Hand und Fuß. Sie sind wohl hier oben um kleine, rötliche Blumen zu sammeln, um diese dann zu trocknen und Tee daraus zu machen. Zudem wollen sie uns auch direkt einen selbst gebrauten Schnaps anbieten, was wir dann aber dankend ablehnen. Hoffentlich waren wir da nicht zu unhöflich, aber wir haben halt noch unsere weitere Wegstrecke vor Augen und wollten uns da lieber nicht etwas Alkohol gönnen. So verabschiedet man sich und wir steigen weiter ab zum See.

Lac Avrig

Dort angekommen waschen wir zunächst mal einige unserer Klamotten und kurzerhand steigen Thorsten, Volker und ich dann auch noch in das eiskalte Wasser, was sich Lukas von außen mit skeptischer Miene anguckt. Wir frieren uns im wahrsten Sinne des Wortes zwar den Arsch ab, aber es ist wieder ganz angenehm mal etwas kühlendes Nass auf der Haut zu haben und sich den Schweiß etwas abzuwaschen.

Der Berge um uns herum machen nun auch schon einen deutlich schrofferen Eindruck als zuvor. Hatten wir bisher noch größtenteils eher grüne Wiesen mit ein paar Felsen, grinsen uns nun schon zu einige nette Zacken entgegen. Das es ab hier schwerer wird scheint auch Schoko-Banane zu wissen, denn er entschließt sich spontan uns nicht mehr zu folgen. Er rennt lieber zurück und folgt der rumänischen Truppe, schade eigentlich.

Weg

Gut erfrischt und mit Müsliriegeln gestärkt machen wir uns wieder auf den Weg und siehe da, es geht vom Lac Avrig aus auch deutlich schwieriger voran. Zum steilen Gelände gesellen sich die ersten kleinen Kletterpassagen. Nichts wirklich wildes, aber wenn man zuvor 2 Tage durch Wald und Wiesen gestapft ist, doch erst mal eine kleine Umstellung. Es geht vorbei am VF. Garbova (2188m) hinauf zum Vf. Scara auf 2306m. Unser erster wirklicher Gipfel der Tour, welch Freude.

Scara

Wolke am Grat

Nach einem kurzen Gipfelaufenthalt steigen wir runter zu unserem Tagesziel, dem Refugiu Scara auf grob 2100m.
Dort angekommen sind wir erst mal ein bisschen geschockt von dem Müllhaufen den wir dort vorfinden. Dosen über Dosen stapelten sich am Refugiu, wirklich kein schöner Anblick.

Muell

Auch die kleine Blechhütte wirkt arg ramponiert und so entscheiden Thorsten und ich uns dann doch lieber für eine weitere Nacht im Zelt, wohingegen Volker und Lukas es sich doch in der Notunterkunft gemütlich machen wollen. So wirklich toll sind beide Varianten nicht, denn ein guter, gerader Zeltplatz lässt sich nicht finden und auch die ramponierten Betten im Refugiu sind nicht so wirklich gerade.

Refugiu

Zelt in Landschaft

Kaum dass wir unser Zelt aufgebaut, so wie Schlafsäcke und Iso-Matten darin verteilt haben, hören wir Stimmen und sehen das sich weitere Wanderer auf dem Weg befinden. Einer davon macht sich mit einem gehörigen Tempo auf in unsere Richtung, die anderen verschwinden hinter einer Kuppe und sind nicht mehr zu sehen. Aber zurück zu dem, der uns da entgegen spurtet. Grob 15-20min vergehen und er rennt mal eben einen guten Kilometer wenn nicht mehr und zudem auch geschätzt 300 Höhenmeter zu uns hoch. Uff das verdient Respekt. Ok er ist lange nicht so schwer beladen wie wir, trägt nur einen leichten Rucksack und seine Kamera, aber dennoch ein tolle Leistung. Bei uns angekommen stellt er sich als Theo(-dor) vor und er ist nur hier rauf gekommen um mal schnell Fotos zu machen. Er rennt noch eben kurz zum Sattel über dem Refugiu hoch, macht ein paar schnelle Bilder und kommt wieder zu uns runter für einen kurzen Plausch. Dabei erfahren wir, das eines seiner Bilder schon in National Geographic Romania als Cover verwendet wurde. Die Berge sowie das Bergsteigen und Mountainbiking sind seine große Leidenschaft und das erklärt auch warum er so fit ist. Wann immer es geht, fährt er aus Bukarest in die Berge und macht dort Tagestouren, oder ist mehrere Wochen in den Bergen unterwegs. Und ebenso wie wir ärgert er sich über seine Landsleute die überall so viel Müll in den Bergen hinterlassen. Theo nennt uns noch kurz die Adresse seiner Homepage und macht sich dann auf den Rückweg, denn seine Kumpels warten weiter unten noch auf ihn und sie wollen wohl heute noch zurück nach Bukarest. Nettes Tagespensum und wir freuen uns seine Bekanntschaft gemacht zu haben.

Runner

Der Tag neigt sich nun dem Ende zu und wir begeben uns wieder daran die Kocher anzuwerfen um Essen zu machen. Dabei sind immerhin die Fliegen mal nicht mehr so zahlreich vertreten trotz Müllberg, aber eine Gämse kommt kurz zu Besuch um nach dem Rechten zu sehen. Ist doch nett wenn mal jemand vorbeischaut. Müde krabbeln wir in die Federn, wieder geht ein toller Tag zu Ende.

Lager_Refugiu

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Categories: Rumänien 2011

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