Tag 6: Ruhetag – wir müssen umplanen

Nach dem „Überraschungs-Abendessen“ erwartet uns nun ein etwas überraschendes Frühstück. Wo man sonst mit einem Buffet begrüßt wird, gibt es hier einfach nur Früchtetee, Spiegeleier mit Käse und etwas Brot. Aber es schmeckt nicht schlecht und kommt uns durchaus entgegen, auch wenn wir gerne etwas mehr Auswahl gehabt hätten. Dummerweise haben wir nach dem Frühstück die Idee jeweils noch Kakao oder Cappuccino zu bestellen. Im Prinzip schmeckte das aufgebrühte Zeug was man uns bringt nur nach Zucker. Selbst für einen Preis von gerade mal 1€ ist es einfach kaum zu ertragen. An den typischen Buden an deutschen Bahnhöfen bekommt man da bessere Heißgetränke.

Nach dem Frühstück ging es dann erst mal etwas den Trans Fagars Highway entlang und ein wenig rund um den See. Dabei entdeckten wir das gute alte Steine Flitschen Spiel wieder für uns. Wir werfen so einige schöne flache Steinchen, die wie für uns Touristen aufgeschichtet am Ufer liegen, ins kalte Wasser. Den Wettbewerb „wer schafft es zum anderen Ufer“ kann ich beinahe für mich entschieden. Thorsten cheatet dann ein wenig, indem er eine weitaus kürzere Strecke nimmt und einen Stein hinüber befördert. Mit seinem letzten Wurf gelingt es Volker jedoch noch den endgültigen Sieg davon zu tragen. Ja so kann man auch mit einfachen Mitteln ein wenig die Zeit rum kriegen.

Zu den eher spaßig gemeinten Übungen auf den angrenzenden Schneefeldern das Gehen auf Selbigen zu üben, lassen sich Lukas und Thorsten nicht hinreißen und so werfen wir noch einen Blick in den, zu dieser Jahreszeit noch nicht vollständig geöffneten, Fagaras Tunnel. Damit haben wir uns die Zeit am Ruhetag bis zum Mittag rumgeschlagen und es geht zieht uns zu den hier oben aufgebauten Ständen. An denen werden für die Touristen diverse Käse- und Wurstsorten angeboten sowie allerlei Steine und anderer unnützer Krempel. Kaum einer der Händler/Hirten kann Englisch und so erstehen wir, mal wider mit Hand&Fuß gestikulierend, einige Mettwürste, bretzelartige Brotringe und 2 Käse. Einer davon ist ein Schafskäse in Baumrinde eingewickelt und schon sein Geruch ist mal was ganz Anderes. Dazu noch jeder ein Bierchen und schon sitzen wir am Esstisch mitten auf einer Wiese, gewärmt von der Sonne die sich auch mal wieder blicken lässt. Da dämmerte es uns auch schon: wir haben hier viel zu viel gekauft, dass schaffen wir nie.
Doch erst mal ran an die guten Sachen. Die Mettwürstchen sind ziemlich fettig, schmecken aber prima in der Bergluft, ein zünftiges Mal ist das. Dazu dann der extrem würzige Schafskäse herrlich. So schaffen wir es dann auch alle uns gehörig zu überfressen und das Abendessen rückte damit in undenkbare Regionen.

Stattdessen geht es noch ran an den unangenehmen Teil des Tages: die weitere Tourenplanung. Schnell steht dabei fest dass es keinen Sinn macht das Risiko einzugehen die vielen kommenden Schneefelder in Angriff zu nehmen. Sowohl Thorsten als auch Lukas fühlen sich bei dem Gedanken daran doch zu unsicher und so hat es dann keinen Sinn hier oben im Fagars weiter zu machen. Zwar erklären sich die Beiden dazu es ggf. doch zu versuchen, aber auch hier wollen wir dann doch eher die Vernunft walten lassen. Wenn man sich nicht 100pro sicher fühlt, soll man hier in den Bergen einfach nach einer Alternative suchen. Und diese haben wir auch an sich schnell gefunden. Auf zum Piatra Craiului, einem kleinen Gebirgszug nahe Zarnesti, also auf dem Weg zurück nach Brasov. Am Abend zuvor hatte uns Andrei empfohlen dies in Betracht zu ziehen, da wir mit unserem bisherigen Weg den wohl grob schönsten Teil das Fagars schon gesehen haben. Insbesondere den Negoiu den wir ja nun hinter uns haben. Zwar läge auf dem weiteren Weg mit dem Moldoveanu noch der höchste Gipfel Rumänien, aber sonderlich schön soll er wohl nicht sein laut Andrei. Eher ein Berg bei dem der Weg das Ziel ist denn dieser soll sich ewig hinziehen.

Mit dem Piatra Craiului könnten wir so noch was Anderes sehen hinsichtlich rumänischer Gebirge. Zudem befindet sich dort in der Nähe im Ort Bran ein kleinen Schloss was man besichtigen kann, also scheinbar keine so schlechte Wahl. Selbst Dracula soll da mal genächtigt haben und wir können damit immerhin noch eine typische Touristenhochburg der Karpaten besichtigen.

Nur wie jetzt aus dem Fagaras raus kommen? Zwar gibt es von Balea aus eine Seilbahn, nur fährt die nicht sonderlich weit. Einen Bus bzw. ein Busshuttel sucht man vergebens, die nächste Bahnstation ist auch locker 1 Tagesmarsch entlang dem Trans Fagaras Highway entfernt wenn nicht gar weiter, also was nun? Mit Hilfe des Hüttenbesitzer und seiner Tochter, die immerhin etwas Englisch kann und uns somit eine gute Hilfe ist, sowie auch mit dem lieben Internet das wir hier kostenlos nutzen dürfen, suchen wir nach einem Ausweg. Nach ewigem Hin und Her kommen wir zu der scheinbar einzigen Lösung: es geht nur mit dem Auto. Also entweder per Anhalter fahren, oder den Hüttenbesitzer fragen. Wir entscheiden uns für Letzteres, da wir am nächsten Tag nicht zu viel Zeit verlieren wollen. Ok sein Preisvorschlag ist etwas hoch, aber das war uns vorher schon klar. Für die stattliche Summe von 80€ ist er bereits uns nach Arpasu de Jos zu fahren, der nächstgelegenen Bahnstation. Am nächsten Morgen um 10 Uhr wollen wir starten, hätten wir das also geklärt.

Mit rauchenden Köpfen geht es in die Betten.

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Categories: Rumänien 2011

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