Tag 7: Zugfahrt ins Piatra Craiului

So und wieder ein Frühstück auf der Hütte, dieses Mal mit Weißbrot – was anderes scheint man in Rumänien eh nicht zu kennen – Wurst, Käse und nem kleinen Pott Marmelade. Irgendwie wird auch immer zu wenig Brot gereicht. Leute wir sind in den Bergen, da braucht man schon etwas mehr, aber gut wollen wir mal nicht so sein. Immerhin kann man ohne Probleme einen paar weitere Toastscheiben kriegen.

Um 10 Uhr steht dann unsere Fahrt nach Arpasu de Jos an. Und der Hüttenwirt muss ehemaliger Rallyfahrer sein. Denn er brettert die Serpentinen runter als wäre ne Lawine hinter im her. Die Reifen quitschen hier und da mal schön und wir ollen Touristen nehmen es mal lieber mit Humor. Auch über die folgende Landstraße geht es mit „gemütlichen 160km/h“ weiter, es sind ja auch immerhin 70km/h erlaubt. In Arpas angekommen lernen wir dann eine weitere Eigenart Rumäniens kennen. Findet man bei uns die Bahnhöfe meist recht zentral in der Stadt und auch in den Dörfern, ist es hier er so das man sie irgendwo versteckt am äußersten Ende findet. Und so muss sich auch unser Fahrer erst mal gehörig durchfragen um den kleinen, stark verlassen wirkenden Bahnhof zu finden.

Schnell sind dann die Sachen ausgeladen und wir verabschieden uns dankbar. Kaum das wir uns Gedanken darüber machen wie wir hier am gefühlten Arsch der Welt nun an einen Fahrschein kommen sollen und wie das wohl so alles mit den Zügen hier klappt, empfängt uns schon der Stationsvorsteher (wenn man ihn so nennen will). „Brasov?“ fragt er, wir nicken, Volker hält 4 Finger hoch und schon haben wir die Fahrkarten. Da kann kein deutscher Automat mithalten, das ging fix und viel problemloser als wir gedacht hätten. So sitzen wir dann also nun 2 ½ Stunden in der Pampa. Zum Glück gibt es einen kleinen Hundewelpen der etwas unbeholfen um uns herum tappst und man kann sich etwas ablenken. Der Stationsvorsteher macht sogar den Spaß mit und zieht extra für ein Foto seine Uniform an. Zu unserer Verwunderung kommen mit der Zeit auch noch einige weitere Leute die auf den Zug warten. Gemessen an der Lage des Bahnhofs und so verlassen wie es in Arpas aussieht könnte man an sich meinen das da nur alle halbe Jahre mal jemand mitfährt.

Dann nähert sich der große Moment, ein erster Zug rumpelt vorbei. Äußerlich ziemlich runtergekommen und rostig, hier und da offene Türen, aber Innen sieht es an sich ganz gut aus. Und etwas später kommt dann auch unsere Bahn und wir sind schon fast geschockt, denn das Ding sieht kein Bisschen anders aus aus ein Zug der bei uns von irgendwelchen Privatunternehmen eingesetzt wird. Das hätten wir echt nicht gedacht, aber hier rumpelt ein typischer Siemens Zug gerade vor uns in den Bahnhof ein. Innen ist auch alles sehr sauber und wir lernen so auch schnell das die Menschen in Rumänien doch deutlich mehr Rücksicht auf ihre Mitreisenden nehmen. Bei uns findet doch viel mehr Egoisten. Es ist insgesamt doch erstaunlich ruhig im Zug.

Gut der Zug selber bewegt sich mit einer Geschwindigkeit vorwärts, dass man meint mit dem Fahrrad bequem schneller seien zu können, aber so ist das nun mal. Das hatte uns auch schon Andrei zuvor berichtet. Es gibt zwar 4 unterschiedliche Zugtypen in Rumänien, allerdings fahren alle gleich schnell. Nur halten sie unterschiedlich oft. So ein Personae Zug, in dem wir gerade sitzen, ist die letzte Bimmelbahn und hält überall. Zudem kennt man wohl auch das Prinzip von Schranken noch nicht und so wird vor jedem Bahnübergang gehupt. Aber daran gewöhnt man sich schnell.

Nach über 2 Stunden kommen wir dann endlich in Brasov an und von da geht’s direkt weiter nach Zarnesti. Der Ticketkauf war auch hier recht einfach. Es gibt einen Info Schalter und dort wird genug Englisch gesprochen um den korrekten Verkaufsschalter herausfinden zu können. Die Bahn nach Zarnesti ist dann deutlich älter, aber dennoch sauber und auch hier ist es wieder erstaunlich ruhig. Die Fahrtkosten für Zugfahrten in der Personae Klasse sind übrigens, verglichen mit deutschen Verhältnissen, verschwindend gering. Wo man hier gerade mal durch eine Großstadt fahren kann, kann man in Rumänien gleich eine Strecke von 100km mit dem Zug zurücklegen.

In Zarnesti stehen wir dann mal wieder ziemlich verloren irgendwo im Nichts, denn auch hier ist der Bahnhof mal wieder irgendwo am Rand aufgebaut. Tja wie finden wir jetzt nur die Cabana Curmartura zu der wer aufsteigen wollen? Ah eine Übersichtskarte, die kann helfen. Zu dumm nur das der Bahnhof nicht angezeichnet ist und es auch keinen „you are here“ Pfeil gibt. Also was nun? Spontan wird ein rüstiger Opa angequtascht der gerade ein paar Tüten mit Blumen und Zweigen an uns vorbei trägt. Er kann kein Wort Englisch und wir kein Wort Rumänisch (ok „no“ und „da“ kriegen wir noch hin). Erneut mit Hand und Fuß finden wir heraus das er seine Lesebrille wohl zu Hause gelassen hat und er sich so auf der Karte auch nicht zu Recht findet. Aber Cabana bzw. Curmartura, dass scheint ihm was zu sagen und er bedeutet uns das wir im folgen sollen. So zieht dann bald eine illustre Truppe durch Zarnesti. Vorweg Opa der einfach immer weiter erzählt, obwohl wir nichts verstehen, und dahinter 4 etwas verwirrt drein blickende Leutchen mit ihren dicken Rucksäcken. Mit der Zeit findet Opa dann auch raus das wir wohl Deutsche sind, zumindest fragt er etwas in Richtung „Germani?“. Und vor einer Kneiper findet sich auch jemand der zumindest ein paar Brocken Englisch spricht. Somit ist “unser Auftrag” für Opa nun auch klarer. Die 4 Deutschen mit ihren Rucksäcken wollen zur Cabana Curmatura, da die aber noch ganz schön weit weg ist, geht auch eine andere Cabana am Ortsende”. Und weiter gehts im Gänsemarsch.

Zur Dorfmitte hin wandelt sich auch das Straßenbild von Zarnesti etwas und es geht von einer staubiger Schotterpiste zu einer relativ normalen Straße über mit teils sehr schönen Häusern. Und weil unser Fremdenführer wohl mitbekommt, dass wir hier etwas verloren sind, bringt er uns bis zu einem Schild wo die nächste Cabana ausgeschildert ist. Noch 2km geradeaus, dass schaffen wir dann auch alleine. Erneut freuen wir uns über die Freundlichkeit der Menschen hier, bedanken uns mit einem kleinen Obolus bei unserem „Guide“ und marschieren Richtung Piatra Craiului und hoffentlich auch zur richtigen Cabana.

Nach grob 2km erreichen wir dann auch eine, die Gura Raului auf 750m, ziemlich direkt am Eingang zum Nationalpark Piatra Craiului. Da es noch gut und gerne 12km bis zur Cabana Curmatura seien sollen und es schon spät am Nachmittag ist, wollen wir erst mal hier unser Quartier aufschlagen, oder besser gesagt nach 2 Zimmern fragen. Dummerweise spricht man dort aber auch kaum Englisch und somit wird es eher etwas lustig, aber es klappt dennoch und wir haben Betten für die Nacht. Die Zimmer sind einfach, alles ist etwas schief, aber dafür sauber und günstig.
Wir begeben uns noch in den kleinen Biergarten und bestellen was zu futtern, es gibt mal wieder Schnitzel diesmal jedoch mit Brotkartoffeln. Mehr haben wir auf der Karte nicht verstanden. Und wieder geben wir wohl ein recht lustiges Bild ab, wie wir uns erst eine Tüte „Chicken Chips“ reinhauen, dann Schnitzel mit Kartoffeln, dann noch eine Tüte Chips, dann jeder noch ein Eis und dazu insgesamt jeder noch 2 Bier. Wirklich wirr diese Deutschen.

Mit der Hoffnung am nächsten Tag in der Cabana Curmatura eine Karte kaufen zu können, wie es uns Andrei gesagt hat, schlummern wir dann auch irgendwann in unseren schiefen Betten ein.

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Categories: Rumänien 2011

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