Vorbericht: 3 IT-ler und der Briefträger

Fangen wir mal ganz weit vorne an. Im Informatikstudium habe ich Thorsten und Volker kennengelernt, Lukas kam ein paar Jährchen später dazu. Im Groben verbindet uns alle ein Interesse daran zu reisen, aber nicht im üblichen touristischen Sinne, sondern eher abseits von Menschenmassen. Diverse Male hatte ich vor allem mit Volker schon mal über gemeinsame Touren nachgedacht, vor allem Norwegen stand bei uns auf der Liste. Nur wollte es nie so recht klappen, was zugegeben vor allem an mir lag. Mal gab es keinen Urlaub und mal habe ich meinen Arsch nicht hoch gekriegt.

Das Ganze ging dann grob im November 2010 auf einer Geburtstagsfeier so weit, dass es auf Volkers Seite hieß „mir egal was ihr macht, ich fange jetzt an die Welt zu sehen“ (grob zusammengefasst). Thorsten war schnell als Reisepartner dabei und ich hatte nun die Wahl mich mit zu engagieren, oder halt weiter zu Hause auf dem Sofa zu sitzen. Zum Glück konnte ich mich selbst, mit gewisser energischer Stichelleien, dann doch für Ersteres überreden (lassen) und war mit an Bord. Wohin es gehen sollte stand zu dem Zeitpunkt noch gar nicht fest. Bei so einigen Abenden vor der Playstation mit Lukas kam mehr und mehr raus das auch Lukas gerne mal wieder seinen Rucksack packen würde. Kurzerhand war er mit an Bord und unsere Reisegruppe von 4 Leutchen war geboren.

Was zur Hölle wollt ihr in Rumänien?
Wie wir dann auf Rumänien kamen, kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Die Initiative ging hier von Volker aus und der Vorschlag wurde wohl aus unseren Vorstellungen heraus geboren, in ein Land fahren zu wollen, dass sich nicht jeder sofort als Reiseziel aussucht, wir dafür aber nicht extrem viel Geld ausgeben wollen. Es sollte von vorne rein ein Urlaub mit dem Fokus auf Trekking sein, aber wir wollten nicht durch plattes Land latschen sondern möglichst durch die Berge ziehen. Und genau das schien Rumänien zu bieten.

Der Fagars-Kamm sah auf Fotos klasse aus und jeder, dem wir unser Reiseziel präsentierten, entgegnete uns zunächst immer „Was zur Hölle wollte ihr in Rumänien?“ Das konnte uns nicht abschrecken, für unsere Vorstellungen schien Rumänien perfekt zu sein. Ich kannte Land und Leute zumindest schon in einem ganz kleinen Teil, da ich beruflich mal eine Woche da war. Jedoch mehr als die Innenstadt und ein Hotel in Criova hatte ich auch nicht gesehen, ergo taugte ich als „Experte“ auch nicht wirklich.

Jetzt mussten also erst mal entsprechende Infos her, wie die Reise genau verlaufen sollte. Bücher und Karten wurden besorgt, jedoch war leider nicht sonderlich viel über unser konkretes Ziel zu finden. Die meisten Menschen bereisen Rumänien dann doch eher um sich Kirchen, Schlösser und Burgen anzugucken und nicht um auf 2000m durch die Berge zu trekken. Zum Glück gibt es ja das Internet und wir konnten uns so auch noch weitere Informationen sammeln. Der Flug war schließlich gebucht, wir mussten, nein, wir wollten da jetzt auch hin!

Mitten in der Regenzeit und wie fahren denn nun die Züge?
Alle Hindernisse sollte uns nicht stören, die Planungsphase zog sich gut 5 Monate hin, viele Mails wurden geschrieben, Ausrüstungs- und Packfragen diskutiert. Immer unter dem Leitsatz „A Tour through the Fagars is not to be taken lightly“. Ein Satz, der zumindest in Lukas‘ Kopf lange Zeit nicht anzukommen schien. Machten Thorsten, Volker und ich uns vielleicht zu viele Gedanken über Wind und Wetter oder ging Lukas das Ganze doch viel zu locker an? Laut unseren Informationen hatten wir uns als Reisezeit von Mitte bis Ende Juni ausgerechnet die regenreichste Zeit ausgesucht und auch die Wetterstatistiken der letzten Jahre belegten dies. Man muss ja immer mit dem Schlimmsten rechnen, denn nach zwei Tagen vor einem Abbruch stehen will ja keiner. Irgendwie konnten wir dann aber doch alles regeln, die Packlisten füllten sich und somit auch die Rucksäcke.

Es ging jedoch nicht nur um die Klamotten, wir waren uns auch erst recht spät einig, wie wir denn nun die Tour angehen wollten. Letztendlich stand dann aber fest, wir wandern von West nach Ost durchs Fagars, also von Sibiu (Herrmannstadt) nach Brasov (Kronstadt). Das heißt dann auch Sonne im Gesicht, wenn sie denn scheint und Regen von hinten. Dadurch ergab sich auch gleich das nächste, scheinbar größere Problem. Wie kommen wir von Bukarest nach Sibiu oder noch besser zu einem passenden Ausgangsort für die Tour? Um ehrlich zu sein macht man sich durch eine Recherche mit Büchern und Internet hier doch schon recht bekloppt. Mal liest man Rumänien habe ein ganz gutes Eisenbahnnetz, dann wiederum liest man das genaue Gegenteil. Mal heißt es, man müsse Züge mindestens 2 Stunden vor Abfahrt buchen, mal heißt es dann es sei wie in Deutschland. Zur Realität später mehr. Da wir zumindest am Anfang der Reise wenig Probleme haben wollten, entschieden wir uns dafür, für 270€ (bei 4 Mann noch vertretbar) direkt vom Flughafen Bukarest-Baneasa nach Sibiu mit einem Transportservice zu reisen. Wir sollten einen Fahrer haben der Englisch kann, was ja erst mal auch von Vorteil für den Einsteiger sein kann.

Gas, wir brauchen Gas
Das nächste Problem „wir kommen wir an Gaskartuschen“ konnte damit scheinbar auch direkt abgehakt zu werden. Wir hatten herausgefunden das es in Rumänien wohl nur Campinggaz-Kartuschen gibt, entsprechende Adapter waren vorhanden, aber die beste/nächste Einkaufmöglichkeit in der Bukarester Metro schied für uns an sich aus, da wir keine Metro-Karte haben. Doch unserer Fahrer erklärte sich noch im Vorfeld bereit uns mit seiner Metro-Karte auszuhelfen.

Somit standen quasi alle Signale auf grün, nur der eigene Körper – in meinem Fall – war noch ein Unsicherheitsfaktor. Ich muss was machen – einfach raus und Meter machen.

Arsch hoch
Da ich die letzten Jahre eher als Couchpotato verbracht habe und ich doch schon gehörigen Respekt davor hatte, mit 20kg oder mehr auf dem Rücken durchs Gebirge zu wandern, mussten Vorbereitungstouren her. Und so wanderten Lukas und ich an einigen Wochenenden für Tagestouren von je 30-40km rund ums Ruhrgebiet, Thorsten gesellte sich auch hier und da dazu. Mit Thorsten und Volker ging es auch mal auf 2 Tagestouren über den Rothaarsteig und durch die Eifel um noch ein letztes Mal Mensch und Material zu testen.

Bis dann endlich der Abreisetag ins Haus stand…

Tags: , ,

Categories: Rumänien 2011

About the Author,

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *