Sen(mp)f 20120213 – Auch ich ging auf die Straße

Am Samstag den 11.02 war großer Anti-ACTA Demo Tag in der ganzen Welt. Vom Grundsatz her eine, und hier möchte ich Bernd Stromberg zitieren, “Aktion die ich 110 prozentig unterstütze”. Jetzt bin ich an sich ein eher unpolitischer Mensch und hatte bisher mit Demos auch noch nichts am Hut. Doch irgendwie fand ich es sei jetzt mal an der Zeit und wichtig mir das Ganze mal anzugucken.

Hier also mal mein Eindruck der Demo in Dortmund.

Zunächst der offensichtliche Sinn und Zweck:
1) Guy Fawkes Masken tragen
2) saufen
3) zeigen das man ein Smartphone/Tablet hat und Fotos/Videos damit machen

Bei Punkt 1 habe ich mich doch glatt gefragt ob die Maskenhersteller mit ihrem Umsatz an den Verkauf von Deutschlandfahnen zur WM ran reichen können. Aber bis dahin ist es wohl noch ein weiter Schritt. Immerhin wurde im Bahnhof neben Bier jetzt auch mal Schnapps verkauft bei der Kälte, ist doch auch was. Ach und Leute es wird nicht besser dadurch das jeder Zweite Demo Teilnehmer ein und dieselben Bilder mit seinem Smartphone macht. Hier habe ich mich echt gefragt ob die Meisten es nur nötig hatten zu bewiesen das sie auch wirklich da gewesen sind.

Mit anderen Worten: so prickelnd fand ich es an sich nicht. Auch das Auftauchen bzw. Vorhanden sein von Leutchen der AntiFa, die natürlich nie fehlen dürfen wenn es darum geht gegen etwas zu sein, war dem Eindruck nicht so wirklich zuträglich. Klar immer noch besser extreme Linke als Rechte, aber grundsätzlich habe ich es nicht so mit den ganzen Extremen. Und wenn man dann mal an die Vergangenen NPD Demos hier denkt, wo der Linke Flügel weitaus mehr Stress gemacht hat als das rechte Pack…nun ja das soll hier mal nicht Gegenstand meines Geschreibsels sein.

Zurück zur Anti-ACTA Demo. Hier muss ich sagen das ich noch nie eine wirklich hohe Meinung von Demos hatte. Denn entweder macht man sich viel Mühe aber es interessiert eh keinen den es interessieren sollte, oder das Ganze wirkt eher etwas lächerlich und unkoordiniert und interessiert auch wieder keinen den es interessieren sollte.

Natürlich liegt der Sinn und Zweck darin überhaupt zu zeigen das man da ist, eine Meinung hat und ggf. auch andere Leute mit wach zu rütteln die von einem bestimmten Thema vielleicht noch gar nichts mitbekommen haben. Da ist es ja durchaus positiv zu werten das alle Medien darüber berichtet haben wie viele Leute deutschlandweit, ja sogar weltweit, an diesem Tag auf die Straßen gegangen sind. Hier könnte man also sagen: Ziel erreicht, alles bestens, Ende vom Lied und danke.

Doch ich sehe es etwas kritischer. Denn ob eine Demo in der Form wirklich etwas bringt wage ich mal etwas zu bezweifeln. Für jemanden, der mit dem ganzen Internet-Kram nichts zu tun hat dürfte das, was sich da in Dortmund präsentiert hat, eher ziemlich befremdlich wenn nicht sogar abschreckend gewirkt haben. Da ziehen lauter Leute mit Masken oder grölende Kiddies(Jugendliche (hatte ich saufen erwähnt?) und Punks durch die Gegend und halten komische Schilder hoch. Wer keine Maske hat ist vermummt und das nicht unbedingt nur weil es so kalt ist. An dem Punkt könnte man also auch sagen: Ziel verfehlt. Denn anstatt für das wichtige Thema Freiheit im Netz zu mobilisieren bzw. darüber zu informieren, mag es so auf Außenstehende eher so wirken, dass man dieses seltsame vermummte Volk vielleicht doch mal besser überwachen und einschränken sollte.

Weiterhin muss ich dann gestehen nicht bis zum Ende geblieben zu sein. Denn hier hat mir mein Asthma bei der kalten Luft einen Strich durch die Rechnung gemacht und ich musste gen heimisches Wohnzimmer schwenken. Daher mag mein Eindruck auch noch täuschen. Jedoch muss ich für mich persönlich sagen das mich mein erster und womöglich auch letzter Besuch einer Demo eher darin bestärkt hat, die ganze Demo Kultur auch weiterhin eher mit einem zweifelnden Auge zu betrachten.

Natürlich kann man mir vorwerfen das ich mich doch gefälligst selber mehr engagieren könnte und auch gefälligst selber etwas zur Verbesserung der Demo Kultur beitragen könnte – ich glaube ich erwähnte das ich eher unpolitisch bin? – ein Vorwurf der durchaus nicht ungerechtfertigt ist. Bei mir ist es hier eine Mischung aus Faulheit und Frust. Ersteres gebe ich offen zu und letzteres sind einfach meine persönlichen Erfahrungswerte.

Alle die Demos und Petitionen scheinen nämlich nicht wirklich etwas zu bewirken, außer ggf. viel Geld für Polizeieinsätze zu kosten. Gewerkschaftsstreiks sehe ich schon ehre als Tradition denn als wirklich Demos/Streiks an. Hier muss einfach irgendwer 1 Mal im Jahr streiken, dass ist einfach so. Die Gewerkschaft stellt unrealistische und überzogene Forderungen, der Arbeitgeber will nicht zahlen und nach gefühlt ewigem hin und her trifft man sich in der Mitte, schüttelt sich die Hand und sagt “dann bis in 2 Jahren”.

Proteste gegen Studiengebühren, wen interessierts? Entweder die eine Partei ist an der Macht und setzt ihren Willen durch oder die andere. Ob da 30.000 olle faule Studenten irgendwo in ihre Trillerpfeifen pusten ist doch Latte. Netzsperre und zich Leute sind dagegen, zeichnen sogar mit der erforderlichen Stimmenanzahl eine Petition um den Fall nochmal aufzurollen. Bequemt sich die zuständige Ministerin etwa dazu sich dessen nochmal anzunehmen? Nein wozu den, sie erscheint nicht mal zur Anhörung. In Frankreich brennen ganze Stadtteile und ja sogar in unserem gesitteten Deutschland *hust* brennen Autos in Berlin. Gruselige Bilder im TV aber ändert sich etwas, oder führt es überhaupt dazu das sich jemand in einer entsprechenden Position berufen fühlt etwas ändern zu wollen?

An Beispielen mangelt es nicht und meist geht es scheinbar nur darum etwas medienwirksam genug zu inszenieren. Es muss immer erst der ganz große Knall kommen bis etwas passiert. So makaber es auch ist, aber hätte es das Beben in Japan und die Katastrophe in Fukushima nicht gegeben, hätte ja nicht mal Tschernobyl ausgereicht für ein Umdenken.

Daraus resultiert eben mein Verdruss hier auch nur ansatzweise wirklich aktiv werden zu wollen, auch wenn mir eben bewusst ist das jedwede Demo die es schafft in den Medien präsent zu sein, auch dafür sorgt Leute wach zu rütteln. Ob nun positiv wie z.B. gegen Atomkraft oder negativ (aus Sicht der Demonstranten) wie z.B. eine NPD Demo, wo viele sicher sagen werden “oha so viele von denen gibts noch, da müssen wir aufpassen”. Aber letztendlich sind auch Demos ein Spielball von Medien und Politik. Macht man sich selbst nicht interessant genug, sei es durch Ausschreitungen oder möglichst viel nackte Haut und was es nicht sonst alles gegeben hat, dann haben die Medien keine so rechte Story. Und der Politik ist es scheinbar eh ziemlich egal was der Bürger will. Wobei es sicher auch nicht immer einfach ist da alles mal eben durchzusetzen was der ewig nörgelnde Wähler so gerne hätte.

Hier sehe ich dann aber, um mal wieder den Bogen zurück zu kriegen, auch eher die Chance im Netz und nicht auf der Straße. Den unsere Medienanstalten haben meines Erachtens ein veraltetes Denken und kommen mit dem aktuellen Fortschreiten des Netzes mehr schlecht als recht mit. Ebenso halt auch die Politik. Niemand scheint da in der Lage zu sein so recht zu begreifen was da alles bewegt werden kann. Gut da gibt es Wikileaks und diverse Aktionen von Anonymus usw., aber entweder ist man sich der Möglichen Gefahren&Konsequenzen für die eigene Machtposition bewusst und versucht deshalb ACTA durchzuboxen, oder man ist sich dessen nicht bewusst und versucht auch aus diesem Grund ACTA durch zu kriegen eben weil man die Hintergründe eh nicht so ganz versteht, aber dank genügend Gelder die eigene Position gestärkt wird.

Daher ist es natürlich wichtig ACTA, SOPA und wer weiß was noch kommen wird zu verhindern. Nur ob die Wahl der Waffen im Sinne von maskierten und angetrunkenen Leuten mit schlecht gemachten Schildern auf der Straße hier das probate Mittel sind wage ich eben doch zu bezweifeln.

Eine andere Form des Protests, an deren Erfolg ich aber auch noch zweifle, ist die online Petition von Avaaz die auch meine Stimme bekommen hat. Immerhin kann man ja im Falle von ACTA mal sagen das sich womöglich mal wirklich was in der Politik bewegt. Denn einige Länder haben ja bereits reagiert.

Vielleicht ändert sich ja doch mal was, es wäre wünschenswert.

Tags: , ,

Categories: Opinions

About the Author,

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *