Sen(mp)f 20121005 – Urheberrecht…mal wieder

Wird eigentlich in der Presse gewürfelt wer in welcher Woche dran ist das Thema Urheberrecht mal wieder aufzugreifen und es extrem einseitig darzustellen?
Diese Woche FAZ und vor rund 2 Wochen die Zeit. Nun bin ich weder Journalist noch Experte, aber ich versuche die Welt einfach mal mit halbwegs gesundem Menschenverstand zu betrachten, mehrere Meinungen zu hören/lesen und mir darauf dann eben meine eigene Meinung zu bilden.

Großer Aufhänger der Debatte rund um die Piratenpartei und das Urheberrecht ist ja noch immer das Buch “Klick mich – Bekenntnisse einer Internet Exibitionistin” von Julia Schramm, zuvor bekannt aus dem Bundesvorstand der Piratenpartei.

Egal wie gut oder schlecht das Buch von Frau Schramm nun ist – was schon der grundlegende Aufreger zu sein scheint, für ein mittelmäßiges oder gar schlechtes Buch 100.000€ kassieren und dann noch weiter daran verdienen zu können – die meisten Leute verstehen das Konzept zur Veränderung des Urheberrechts scheinbar nicht. Oder sie wollen es auch erst gar nicht verstehen. sie es weil sie fürchten Macht zu verlieren, sie es weil sie Gelder davon schwimmen sehen, oder weil sie einfach gegenüber Neuem nicht aufgeschlossen genug sind. Das Warum kann ich auch nicht erklären und ich muss ja mit meiner Betrachtung auch nicht Recht haben, da ich ja kein Experte bin.

Gut das Buch von Frau Schramm wurde für kurze zeit kostenlos über Dropbox verteilt. Das war schon mal weder mit Frau Schramm, noch ihrem Verlag abgesprochen. Gegen diese Verteilung wurde vorgegangen und man oder besser gesagt die Presse dreht ihr nun einen Strick daraus.

Zunächst mal müsste es eine, entsprechend autorisierte, Plattform geben, wo jeder das Buch kostenlos runterladen, oder einen gewissen Betrag zahlen kann. Diese Plattform ist nicht gegeben Hier kann man Frau Schramm auf jeden Fall vorwerfen diesen Weg nicht mit einem entsprechenden Verlag von vornherein gegangen zu sein, eben auch um zu zeigen wie so ein Model gedacht ist. Womöglich war aber auch kein Verlag bereit dazu den Weg zu gehen, denn laut ihrer Aussage hat sie ja mit dem Verlag darüber gesprochen. Hier kann man sicherlich weiter Vorwürfe machen dass sie dennoch bei dem Verlag geblieben ist, jedoch eben nicht dagegen das die einfache Verteilung des Buches gestoppt wurde. Denn dort bestand eben nicht mal die Möglichkeit für den Autor damit etwas zu verdienen. Denn wie man klar in der Position der Piraten zum Urheberrecht nachlesen kann, geht es der Partei eben nicht darum alles immer kostenlos anzubieten und darum das keiner mehr Geld mit seinen Werken verdienen soll.

Es geht hier unter anderem um alternative und neue Vertriebswege.

Aber genau das ist ja ein Modell was viele, insbesondere in Deutschland, nicht begreifen wollen. Künstler wie z.B. Trent Reznor machen es vor was mit freier Musik verdient werden kann, wenn man es nur richtig macht und dem Kunden selbst überlässt zu zahlen was er möchte. Siehe dazu z.B. hier: Arstechnica Artikel

Ein weiteres Beispiel wäre flatter und was man damit verdienen kann, obwohl man alle Leistungen/Werke kostenlos anbietet. Hier kann man für Deutschland den bekannten Podcaster Tim Pritlove anführen. Oder für Zeitungen die TAZ, bei der man einzelne Artikel flattern kann wenn sie gefallen haben. Denn mal ernsthaft: wer liest denn schon so eine Zeitung komplett? Die meisten Leute dürften hier Geld für etwas zahlen, was sie vielleicht nur zu 30% nutzen. Warum dann nicht Geld zahlen für das, was man wirklich genutzt und auch für gut befunden hat? Für Verlage ergeben sich hier auch ganz neue Möglichkeiten der Auswertung was am häufigsten gelesen wird usw..

Von Streamingdienste a la Hulu oder Netflix und den Problemen hier in Deutschland sein Geld ausgeben zu können hatte ich ja auch schon mal angefangen in Sen(mp)f 20120124. Vergleichbare Dienste sucht man hier nun mal eher vergeblich, vorhandene Dienste a la Maxdome sind schon fast peinlich zu nennen in ihrem Angebot, alles andere wird kriminalisiert anstatt das es vernünftig genutzt und angeboten wird. Aber Fernsehsender glauben in den meisten Fällen noch immer, dass die meisten Leute halt solche Gewohnheitstiere sind, dass sie sich gerne zu bestimmten Zeiten versammeln um eine bestimmte Sendung zu gucken. Dem ist aber bei weitem nicht immer so. Die heutige Generation will einschalten wann sie will, gucken was sie will, pausieren wann sie will

Man kann sogar auf die Videospiele-Industrie hinweisen, die mit den Free2Play Modellen auch überrascht ist, um wie viel höher die Umsätze sind obwohl die Spiele an sich kostenlos angeboten werden. Ja es kommt sogar vor das größere Studios bei beispielsweise Crytek auf Free2Play wechseln, wie man in diesem Interview mit Cevat Yerli nachlesen kann. Man kann auch auf Kickstarter Projekte unterstützen mittels Crowdfunding. Hier kauft man nicht mal ein fertiges produkt, man spendet im Prinzip nur. Oder als letztes Beispiel kann man noch Humble Bundle verweisen wo man sehen kann das Menschen durchaus bereit sind allein schon gute Ansätze zu unterstützen und das ein Model “zahl was du willst” funktioniert. Sowohl auf Kickstarter als auch bei Humble Bundle wird zwar auch nichts kostenlos angeboten, aber der Kunde/Spender kann selbst wählen was er bereit ist zu zahlen und erhält entsprechende Gegenwerte.

Das Grundproblem ist jedoch das es zunächst kaum Plattformen gibt worüber irgendwelche Werke nach solchen Modellen verteilt werden können und das viele Künstler oder auch deren Vertreter wie Plattenfirmen oder Verlage dieses Model oder den Erfolg dahinter nicht begreifen wollen. Von daher werden eben Begriffe wie “torrent” von vornherein kriminalisiert und im Zweifelsfall werden irgendwelche eigenen Plattformen ins Leben gerufen, für die der Kunde dann wieder ein neues Konto, wieder neue Software usw. benötigt und wo er dann ggf. zudem noch mit Kopierschutzmaßnahmen leben muss die dann auch mal das Abspielen verhindern oder oder oder.

Ursache hier sind die verstaubten Strukturen der Konzerne, die auch alleine schon mit dem digitalen Zeitalter nicht klar kommen und digitale Vertriebswege schon gar nicht begreifen, auch wenn beispielsweise iTunes durchaus vormacht wie es laufen könnte. Auch wenn da die Angebote auch nicht kostenlos sind, so ist es immerhin ein Beispiel für eine gut funktionierende Vertriebsplattform. Bei einem Film der im Laden 15-20€ auf BluRay kostet denkt man doch 3 mal über den Kauf nach, zumal man einen Film ja oftmals eh nur ein mal guckt. Wenn man ihn aber für einen Bruchteil runterladen kann ist man viel eher zum Kauf bereit. Aktuell ist es hier aber viel günstiger in eine Videothek zu gehen, wo die Verleihversion dann vielleicht 1-2€ kostet. Denn der Download schlägt oftmals mit deutlich mehr als 5€zu Buche, was einfach wieder zu viel ist.

Sehr schön kann man es auch am Beispiel der E-Books sehen. In anderen Märkten extrem erfolgreich, hier eher noch Nischenprodukt. Zwar mit einem ungeheuren Wachstum von fast 250% in diesem Jahr. Weil der Deutsche sie nicht will? Nein weil der Deutsche für ein E-Book oftmals den gleichen oder nahezu den gleichen Preis wie für die Printausgabe zahlen soll. Für etwas was in Produktion und Vertrieb weitaus günstiger ist mehr bezahlen. Buchpreisbindung ist hier das Stichwort. Es wird ja bereits zaghaft überlegt daran zu rütteln, aber bekanntlich mahlen die Mühlen hier ja recht langsam.

Natürlich wird es immer Leute geben die nie etwas zahlen wollen, aber der Ausgleich ist eben mehr als gegeben. Wo einer nichts zahlt, zahlt ein anderer weil im die CD so gut gefällt 30€ statt nur 15€. Nur ist da wieder das Problem das die Plattenfirmen/Verlage natürlich immer mehr wollen und hier nur den einen, nicht zahlenden Kunden sehen und sagen “wir hätten da ja viel mehr verdienen können”. Wobei der Punkt aber ist das derjenige der eh nicht bereit ist zu zahlen sich das Album so vielleicht gar nicht besorgt (davon ausgehend er macht nichts illegales) und derjenige der bereit wäre mehr zu zahlen um seine Wertschätzung auszudrücken, gar nicht mehr zahlen kann.

Nein hier wird auch noch weiter brav die GEMA unterstützt. Die “großen Künstler” gehen auf die Barrikade wenn die Abschaffung zur Sprache gebracht wird und stellen es so dar, als könnten sie auf Grund von Raubkopien kaum noch ihre Familie ernähren. Ursache ist hier wohl eher das sie Angst haben weniger zu verdienen wenn deutlich ehrlicher erfasst werden kann was gerade beliebt ist. Dann bekommen sie keine großen Anteile mehr aus dem GEMA Topf. Wie die Verteilung da von statten geht und wie nett die GEMA ist kann man sehr schön nachhören in WR047 Holger ruft an: Bei Tanith (wegen der GEMA). Da kann man nur noch den Kopf vor die Wand knallen, oder eben verstehen warum es für die “großen Künstler” so einfach ist von ihrem Tron herunter zu wettern wie schlimm es doch mit den Raubkopien und den Piraten ist.

So komme ich also zurück zum Ausgangspunkt.

Das eine Frau Schramm sich nicht gerade sinnvoll verhalten hat steht außer Frage. Ihr Fehler war es aber letztendlich einen Verlag zu wählen der keine alternativen Vertriebsmöglichkeiten anbietet. Es geht nun mal nicht darum immer alles kostenlos zur Verfügung zu stellen. Es geht vor allem darum vorhandene oder neue Möglichkeiten zu fairen Preisen als Kunde nutzen zu können. Wenn ein Künstler Geld mit seinem Werk verdienen möchte, was auch sein gutes Recht ist (auch nach dem Willen der Piraten), dann soll er es eben entsprechend anbieten. Das Buch von mir aus für 15€, das E-Book für 5€, dazu eine kostenlose Leseprobe. Das wäre nur mal als Beispiel. Ausweiten könnte man es noch darauf das man vielleicht mindestens 5€ zahlen muss, aber auch gerne mehr zahlen kann wenn man möchte.

Frau Schramm hat laut eigener Aussage mit dem Verlag darüber gesprochen (worüber konkret wurde jedoch meines Wissens nicht gesagt), der Verlag hat abgelehnt und sie hat dennoch ja gesagt und gerne zu dem großzügigen Vorschuss gegriffen. Soweit ihr Fehler, man darf gespannt sein was Marina Weisband mit ihrem ausstehenden Buch macht daraus macht.

Es ist scheinbar für die deutschen “Medienvertreter” unvorstellbar das man auch auf andere Art und Weise Geld verdienen kann, ja ggf. sogar mehr Geld als vorher. Und deshalb wehrt man sich mit Händen und Füßen und stellt die ganze Geschichte immer nur extrem einseitig dar. In den eingangs erwähnten Artikeln muss man die Zeit schon fast löblich erwähnen, da nicht alles so schwarz dargestellt wird, letztendlich aber auf die Schelte herunter gebrochen wird die Julia Schramm sicherlich auch verdient hat.

Nur sollte man meines Erachtens als Journalist die Position der Piratenpartei hier auch mal wesentlich besser und deutlicher erklären und eben auch mal etwas genauer nachhaken. Aber das dürfte zur Zeit kaum möglich sein…leider.

Zur weiteren Lektüre empfehle ich:
– http://doener.blogage.de/entries/2012/9/30/Missverstaendnisse-zum-Urheberrecht-in-der-Presse

– http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ekelhaft/

Man sollte auch nicht verschweigen das auch in anderen Ländern Debatten geführt werden. Ein etwas abstruses und wohl eher als PR-Aktion gedachtes Beispiel wäre hier: Autorin zieht blank aus Protest gegen E-Book-Piracy. Aber auch da muss man sich eben fragen warum es denn Piraterie gibt und inwiefern alternative Vetriebswege vorhanden sind.

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Categories: Opinions

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